Weihnachtstheater „Frau Holle“ an der Fritz-Baur-Schule

Ein märchenhafter Zauber liegt in der Luft

Wie kann es gelingen, 100 Grundschüler für 45 Minuten mit einem klassischen Märchen derart zu verzaubern, dass kein Funken Langeweile aufkommt?

Man nehme eine überschaubare erhöhte Bühne, zwei Tische, zwei Körbe mit einigen wenigen Dingen darin, ein Buch zum Lesen, ein Drahtgeflecht, ein Kerzenlicht, einen Wollstrang, eine Spindel – und ganz viel innere Ruhe. Fertig ist Frau Brüggemanns Geheimrezept: Viel Eindruck mit ganz wenigen einfachen alltäglichen Dingen. Jedes Jahr dürfen die Kinder der Fritz-Baur-Schule voller Staunen miterleben, wie Frau Brüggemann mit wenigen Handgriffen, einigen klug gewählten unscheinbaren Requisiten und kleinen Gegenständen des Alltags ihr Theater zum Leben erweckt, als agiere nicht nur eine Person auf der Bühne, sondern gleich drei gleichzeitig: Da spricht die Bauersfrau, die ihre Arbeitsliste abhakt. Da wird die Spindel mit einem Wollstrang umwickelt und kräht plötzlich als lebendiger Hahn von der Bühne, da wackeln kleine Kugeln am Bäumchen und rufen um Hilfe. Da wird ein kleines, kaum sichtbares Kerzenlicht entzündet – und obwohl das Licht aus der letzten Reihe kaum sichtbar sein muss, fesselt Frau Brüggemann durch ihre sehr einfühlsame Art die Kinder dermaßen, dass voller Staunen erwartet wird, was nun aus dem Kerzenlicht werden soll: Aah, ein Ofen, um das winzige Brot zu backen, das Frau Brüggemann zuvor hingebungsvoll auf ihrem Tischlein knetet und sodann über der Kerze positioniert. Aus den Reihen hört man Geflüster: „Echtes Feuer für das Brot!“…

Frau Holle heißt das weitbekannte Stück, welches Frau Brüggemann dieses Jahr zum Besten gibt, und jeder, der dachte, das sei „ein alter Hut“, schon zu oft gehört, um noch interessant zu sein, der lasse sich eines Besseren belehren. Ja selbst die Äpfel wurden vom Baum heruntergeschüttelt, alle miteinander reif: Ein Drahtgeflecht mit kleinen Kugeln daran, wirkungsvoll als Apfelbaum in Szene gesetzt. Goldmarie, Pechmarie und Frau Holle geben gemeinsam mit Frau Brüggemann eine gelungene Vorstellung. Frau Brüggemann selbst schlüpft dabei gekonnt mit dem Spiel ihrer Stimme überzeugend in die verschiedenen Rollen und verschafft sich besonderes Gehör, wenn sie mit ihrer klaren, schönen Stimme die einfachsten Kinderlieder anstimmt. So einfach und bekannt, dass sie den Kindern eine Brücke baut, mit einzustimmen und Teil des Theaters zu werden. Am Ende werden die Kinder nicht ohne erfreuliche Botschaft entlassen: Es gilt nicht nur, fleißig zu sein, um Lob und Dank zu ernten – in der Ergänzung liegt die Kraft verborgen! Im Falle von Goldmarie und Pechmarie: Fleißig sein funktioniert auch nur, wenn man sich zwischendrin ein bisschen ausruht und gemeinsam spielt, um wieder Kräfte zu sammeln. Das können beide voneinander lernen.

So hat Frau Brüggemann allen Kindern der Fritz-Baur-Grundschule wieder ein zauberhaftes Weihnachtstheater beschert. Man darf sich bereits jetzt auf das nächste Jahr freuen!

A. Kästle